Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften. (Q1484778)
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scientific article; zbMATH DE number 2632498
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften. |
scientific article; zbMATH DE number 2632498 |
Statements
Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften. (English)
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1910
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Exakt ist eine Wissenschaft, soweit sie am Charakter des Mathematischen teilhat. Mathematik ist aber Synthesis a priori. Ihre Grundbegriffe sind logischen Usprungs, nicht in dem Sinne, daß Mathematik und Logik identisch wären, sondern sofern die Synthesis auch der Ursprung der logischen Erkenntnis ist. Das Logische der Erkenntnis gibt dieser einen festen Zusammenhang, der sich in ihrer Stufenfolge, Richtungseinheit, Kontinuität und Korrelativität zeigt. Die Einheit des Denkens ist Einheit des Zusammenhangs. Ihre allgemeine Form ist das synthetische Urteil, durch das die Relation zwischen zwei Termini mit diesen selbst gesetzt wird, und in dem der Grundakt des Denkens, das Bestimmen, die Setzung eines Begriffs in Beziehung auf ein zu Begreifendes sich vollzieht. Aus dem Urakte der synthetischen Einheit des Urteils geht, wie \textit{Kant} trotz aller Mängel seiner Kategorientafel richtig festgestellt hat, das System der logischen Grundfunktionen der Quantität, Qualität, Relation und Modalität hervor, auf dem sich der Aufbau der exakten Wissenschaft vollzieht. Diesen Aufbau führt \textit{Natorp} von dem einfachsten Denkgebilde der exakten Wissenschaft, der auf reinen Gesetzmäßigkeiten beruhenden Zahl, und den auf sie sich gründenden Rechnungsoperationen, durch die Begriffe der Unendlichkeit und Stetigkeit zu den Richtungen und Dimensionen der Zahl und von da zu den mathematischen Gebilden von Raum und Zeit und zu den Prinzipien der Mechanik bis zu den neuesten Theorien, wie sie in der Aufstellung des Relativitätsprinzips gegeben sind. In diesem reichen Gedankengange vertritt \textit{Natorp} im wesentlichen den Standpunkt der \textit{Kant}ische Erkenntniskritik, ohne aber an \textit{Kants} Unterscheidung von reiner Anschauung und reinem Denken festzuhalten. Das Merkmal der Anschauung ist ihre Einzigkeit, aber die reine Anschauung hat ihren Ort im System der Grundbedingungen der Erkenntnis nach den Allgemeinheitsfunktionen. Ihre Vorausstellung vor die Gesetze des Denkens des Gegenstandes war im \textit{Kant}ischen System ein Fehler.
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