Studien zur Geschichte der Mathematik, insbesondere des mathematischen Unterrichtes an der Universität Göttingen im 18. Jahrhundert. Mit seiner Einleitung: Über Charakter und Umfang historischer Forschung in der Mathematik. (Q1499897)
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scientific article; zbMATH DE number 2652588
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Studien zur Geschichte der Mathematik, insbesondere des mathematischen Unterrichtes an der Universität Göttingen im 18. Jahrhundert. Mit seiner Einleitung: Über Charakter und Umfang historischer Forschung in der Mathematik. |
scientific article; zbMATH DE number 2652588 |
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Studien zur Geschichte der Mathematik, insbesondere des mathematischen Unterrichtes an der Universität Göttingen im 18. Jahrhundert. Mit seiner Einleitung: Über Charakter und Umfang historischer Forschung in der Mathematik. (English)
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1904
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``Was bedeutet und was hat bedeutet zu den verschiedenen Zeiten die Mathematik für die Kultur?'' Auf die Beantwortung dieser Hauptfrage zielen alle Zweige der mathematischen Geschichtschreibung in letzter Linie ab. Der Verf. hat mit Fleiß\ und glücklichem Erfolg diese Frage hinsichtlich des mathematischen Unterrichts an der Universität Göttingen im 18. Jahrhundert gelöst. Die Disposition ergibt sich im Anschluß\ an die im deutschen Geistesleben des 18. Jahrhunderts unterschiedenen Epochen des Rationalismus, der Aufklärung und des Neuhumanismus. Die beiden aufstrebenden Höfe des 17. und 18. Jahrhunderts, Kurbrandenburg und Kurhannover, suchten die alten ehrwürdigen Stätten, deutscher Bildung, Leipzig, Jena und Helmstedt, durch die Neugründung der Universitäten des Rationalismus, Halle und Göttingen, zu überflügeln. Der Fortschritt der Mathematik des Rationalismus an der Universität Halle wird am besten an dem damaligen Umfang und Inhalt der einzelnen mathematischen Disziplinen erkannt. Hier sind vor allem die Verdienste \textit{Chr. Wolfs} um die Ausbreitung der Mathematik hervorzuheben. Die Organisation der Universität Göttingen, die Einrichtung und glänzende Ausstattung der dortigen Bibliothek ist besonders \textit{Gerlach Adolf von Münchhausen} zu denken. Im folgenden wird nun die Ausgestaltung, welche die Mathematik des Rationalismus und der Aufklärung in Göttingen fand, im einzelnen dargelegt. Zwei Männer sind hier zu nennen: \textit{Johann Andreas Segner}, der Professor der reinen Mathematik und Physik, und \textit{Johann Friedrich Penther}, der Professor der angewandten Mathematik. Ihr Wirken an der Universität erfährt eine eingehende Schilderung. \textit{Segners} Nachfolger in Göttingen war \textit{Abraham Gotthelf Kästner}. Mit besonderer Wärme schildert der Verf. die Lebensumstände und die Wirksamkeit dieses bedeutenden Mathematikers an der Universität Göttingen, sowie auch seine wissenschaftlichen Leistungen. Wir haben uns über diese Ehrenrettung \textit{Kästners} um so mehr gefreut, als mancher auf sein sattes Spezialistentum eingebildete Akademiker mit Geringschätzung von einem \textit{Kästner} spricht. Ostern 1756 begann \textit{Kästner} in Göttingen seine Unterrichtstätigkeit. Bald darauf erschienen auch seine ``Anfangsgründe der Mathematik''. Seine Vorträge wie seine Lehrbücher vermitteln in geschicktester Weise zwischen der fortschreitenden Wissenschaft und den Bedürfnissen der Praxis. Auch in die Astronomie führte \textit{Kästner} seine Schüler auf dem Observatorium ein. Er war eines der tätigsten Mitglieder der Göttinger Sozietät. Auf zwei Werke, die Anfangsgründe der höheren Mathematik, 1765, und die Anfangsgründe der Hydrodynamik, 1769, geht \textit{Conrad Müller} am Schluß\ noch näher ein. Neben \textit{Kästner} wirkte als Professor der angewandten Mathematik in Göttingen \textit{Albrecht Ludwig Friedrich Meister}. Das letzte Kapitel behandelt die Mathematik des Neuhumanismus in Göttingen. Die Aufklärung, ihrem innern Wesen nach ein gutes Stück rationalistisch, war allmählich in Popularphilosophie und Philanthropinismus ausgeartet. Die Reaktion ist der Neuhumanismus. Der Verf. schildert uns \textit{Kästner} Stellungnahme zur Mathematik des Neuhumanismus; er beschränkte sich darauf, seine Vorlesungen und seine schriftstellerische Tätigkeit in alter Weise fortzusetzen. Achtzigjährig, starb \textit{G. A. Kästner} am 20. Juli 1800. Von den jüngeren Mathematikern in Göttingen werden \textit{C. F. Seyffer} und \textit{B. F. Thibaut} erwähnt. Die alles überragende Gestalt von \textit{C. F. Gauß} und der liebenswürdig bescheidene \textit{B. F. Thibaut}, der sich neben \textit{Gauß} darauf beschränkte, in Göttingen ``der beste Dozent'' zu sein, gehören einer neuen Zeit an.
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