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Die Elementarfragen der Philosophie nach Widerlegung eingewurzelter Vorurteile. - MaRDI portal

Die Elementarfragen der Philosophie nach Widerlegung eingewurzelter Vorurteile. (Q1516503)

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scientific article; zbMATH DE number 2672629
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English
Die Elementarfragen der Philosophie nach Widerlegung eingewurzelter Vorurteile.
scientific article; zbMATH DE number 2672629

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    Die Elementarfragen der Philosophie nach Widerlegung eingewurzelter Vorurteile. (English)
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    1897
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    Reinhold Hoppe ist ein unabhängiger deutscher Denker, der seine Weltanschauung nicht auf die Geschichte der Philosophie, sondern auf eine eigene Erörterung der Grundfragen aufbaut. Am schärfsten tritt er der von Cartesius begründeten rationalistischen Richtung entgegen, die in Kant, Fichte und Hegel ihre Fortsetzung gefunden hat, und deren Princip er in dem Satze zusammenfasst: Die Dinge täuschen uns, der reine Geist kann nicht irren. Diese ganze Richtung schliesst, nach Hoppe, ohne jedes philosophische Ergebnis ab. Am meisten fühlt er sich zu Bacon, Locke, Hume und Berkeley hingezogen, deren Grundsatz: Nur von den Dingen können wir die Gesetze lernen, denen sie folgen, von grosser Tragweite ist, und deren Methode allmählich zu unserer heutigen Naturwissenschaft geführt hat. Mit Bacon und im Gegensatz zu Cartesius und allen Rationalisten hält Hoppe es für ein Vorurteil, dass die Sicherheit der Erkenntnis auf ihrem Anfang beruhe und nur auf absolut sicheres Wissen ein höchstens ebenso sicheres Wissen aufgebaut werden könne. Durch die übertriebene Forderung absoluter Gewissheit gelangen wir zu gar keiner Gewissheit; im günstigsten Falle vermögen wir nur mit immer wachsender Gewissheit zu erkennen. Das Ziel der Erkenntnis ist, Thatsachen, d. h. dasjenige, was ein Mensch unabhängig von seinem Thun und Denken erlebt, dem menschlichen Geiste zu unterwerfen, und aller Anfang gründlicher Philosophie besteht darin, die gegebenen Thatsachen zum Bewusstsein zu bringen. Soweit bekennt sich Hoppe's Philosophie zum Empirismus. Aber er sieht es auch für unfruchtbar an, erfolgreiche Methoden der Erforschung eines Gegenstandes auf einen neuen Gegenstand zu übertragen. Die Methode der Mathematik lässt sich nicht schlechterdings für die Physik verwenden, und die Methode des Experimentes versagt bei der Erforschung der Seele. Die Methode muss stets der besonderen Natur des gegebenen Gegenstandes entsprechend neu gefunden werden. So erstrebt er einen Fortschritt auch über die bisherige Psychologie an, die einen nennenswerten Erfolg nicht errungen hat, und mit der sensualistischen und materialistischen Richtung, die von der englischen Philosophie ausgegangen ist, hat er keine Berührung. Vielmehr nimmt seine Philosophie eine eigenartige Wendung. Es ist ein Vorurteil, dass Sein und Denken ursprünglich getrennt von einander bestehen und einen Gegensatz bilden. Ein nicht gedacht werdendes Sein zu denken, ist ein Widerspruch, und ein Sein ausserhalb alles Denkens wäre ohne Einfluss auf das Denken dieses Seins. Mit dem Sein ist vielmehr immer ein gedachtes Sein gemeint, wenn auch die Zeit des Seins im allgemeinen nicht die Zeit des Denkens ist, und wirklich heisst ein Gedachtes, das durch Thatsachen völlig bestimmt ist; ohne diese Bestimmung kann es nur ideell genannt werden. Eine Wirklichkeit jenseits aller Erkenntnis zu suchen ist unzulässig, und der Begriff eines Dinges an sich, wie ihn Kant aufgestellt hat, beruht auf der völlig unberechtigten Behauptung der Identität eines unbekannten Seins mit einem bekannten Sein. Man muss diese Wendung der Philosophie Hoppe's eine idealistische nennen, wenn auch das Wort Idealität innerhalb seines Gedankenkreises eine andere Bedeutung hat, und sein Idealismus tritt auch in der Behauptung, dass der Mensch eine Seele sei und einen Geist und Leib habe, sowie in der Einschränkung der Herrschaft des Causalitätsgesetzes und in dem Nachweis der Willensfreiheit des Menschen klar hervor. --- In der Anlage erinnert Hoppe's Schrift leise an Bacon's Vorbild, insofern zuerst durch die Widerlegung einer Reihe von Vorurteilen die Bahn für das unabhängige Philosophiren frei gemacht wird, und dann Grundbegriffe wie Thatsache, Erkennen und Handeln, Wirklichkeit und Objectivität, Substanz und Stoff, Identität, Raum und Zeit, Sein und Wahrnehmung, Ursache, Hypothese und Anticipation, Ich und Person, Leib und Geist, Willensfreiheit und Sprache erörtert werden. Am Schluss der Schrift sind die Hauptergebnisse der Untersuchung in 47 Sätzen zusammengefasst. --- Referent hat in der scharfsinnigen Analyse der philosophischen Grundbegriffe die unentbehrliche Zergliederung des Zahlbegriffes vermisst, erklärt aber, dass er, abgesehen von gewissen Dunkelheiten in der Darlegung und einer Unterschätzung des Wertes der Mathematik für physikalische Forschungen, in der kleinen Schrift Hoppe's ein erkenntnistheoretisches Werk von bedeutender Tragweite sieht.
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