Isaac Newton und seine physikalischen Principien. Ein Hauptstück aus der Entwickelungsgeschichte der modernen Physik. (Q1524339)

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scientific article; zbMATH DE number 2677871
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English
Isaac Newton und seine physikalischen Principien. Ein Hauptstück aus der Entwickelungsgeschichte der modernen Physik.
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    Isaac Newton und seine physikalischen Principien. Ein Hauptstück aus der Entwickelungsgeschichte der modernen Physik. (English)
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    1895
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    Den wahren, nicht hoch genug zu preisenden Wert der unvergänglichen Geistesarbeit Newton's auf dem Gebiete der Physik an der Hand seiner Werke und Briefe, sowie aus dem Stande der Forschung seiner Zeit zu schildern, das ist der Zweck des vorliegenden Buches. Nur ein Kenner der Geschichte der Physik, wie der Verf., war im Stande, die Fäden bloss zu legen, welche Newton's Entdeckungen mit denen seiner Vorgänger und seiner Zeitgenossen verbinden, zu zeigen, dass ``jeder wahrhaft bedeutende Fortschritt nicht sowohl durch die That eines einzelnen, übermächtigen Genies, als durch die zusammenwirkende Arbeit vieler Einzelkräfte geschieht, deren Früchte von der bewussten Kraft eines Geisteshelden geerntet und verwertet werden''. Zur Aufklärung mancher Beziehungen, zur Beleuchtung dunkler Punkte in den wissenschaftlichen Streitfragen, die sich an Newton's Entdeckungen knüpften, welche Kämpfe der Meister vorzugsweise durch seine Jünger führen liess, war der Verf. genötigt, vieles Material herbeizutragen, was seinen Helden nicht als den auf der Höhe des Olymps in ewiger Heiterkeit thronenden, unbeweglichen Herrscher erscheinen lässt. In der That wird uns durch das gegenwärtige Buch die Person Newton's menschlich näher gerückt; was wir an ihm nicht bewundern können, lehrt uns der Verf. aus der eigentümlichen Entwickelung und Arbeitsart, aus dem Charakter des britischen Forschers verstehen und begreifen. Wie unser grosser Gauss in seinen Schriften die Spuren verwischte, welche den Weg verraten konnten, auf dem er zu seinen Entdeckungen gelangt war, so dass die veröffentlichten Abfassungen wie Kunstwerke dastehen, die fertig dem Geiste des Bildners entsprungen sind, so ist auch Newton bei der Niederschrift seiner Entdeckungen verfahren und hat damit seinen Werken in ähnlicher Weise den Stempel der Vollendung aufgedrückt. Erst in neuerer Zeit sind z. B. Documente bekannt geworden, aus denen die lange herrschende Anschauung endgültig bestätigt ist, dass die Ergebnisse der Principien nicht nach der geometrischen Methode der Alten gewonnen sind, in der sie dort ihre Darstellung gefunden haben, sondern vielmehr auf rechnerischem Wege mit Hülfe der Methode der Fluxionen. Um eine Vorstellung von dem Plane des vorliegenden umfangreichen Werkes zu geben, setzen wir die kurze Uebersicht des Inhalts her. Einleitung. I. Buch: Die schöpferische Methode Newton's. I. Teil: Die ersten optischen Arbeiten Newton's. II. Teil: Der Uebergang von der Optik zur Himmelsmechanik. III. Teil: Der Inhalt der Principien der Naturlehre. IV. Teil: Von den Principien der Naturlehre bis zur Optik von 1704. II. Buch: Die Bildung der Newton'schen Schule. I. Teil: Die zweite optische Periode Newton's. II. Teil: Die Gravitation als elementare Kraft der Materie. III. Teil: Die Entdeckung der Analysis des Unendlichen. Streit mit Leibniz. IV. Teil: Der endliche Sieg der Newton'schen Physik. - Schlussbetrachtung. Wie diese Zusammenstellung zeigt, hat Herr Rosenberger, getreu dem Titel seines Werkes, sich auf die physikalischen Arbeiten Newton's beschränkt, insbesondere die mathematischen Leistungen nicht zur Darstellung gebracht. Nur in der sehr gelungenen Vorführung des Streites um die Entdeckung der Infinitesimalrechnung ist der sonst strenge inne gehaltene Rahmen überschritten worden. Gerade dieser Streit ist ja aber auch bis in die neueste Zeit hinein immer wieder entbrannt, und weil seine Schilderung bedeutsame Lichter auf die Newton'sche Kampfesweise wirft, so ist die Aufnahme derselben in das vorliegende Buch durchaus gerechtfertigt. Die Darstellung gipfelt in der glücklicherweise jetzt mehr und mehr zur allgemeinen Herrschaft kommenden Ansicht, dass in der That Newton und Leibniz unabhängig von einander zur Entdeckung gekommen sind, dass jedoch die Newton'sche Fluxionsmethode und die Leibniz'sche Infinitesimalrechnung gar nicht so identisch sind, wie dies Leibniz selbst zugegeben hat, dass also der Streit eigentlich gegenstandslos gewesen ist, jedenfalls aber die Leibniz'sche Entdeckung sich historisch als fruchtbarer erwiesen hat. ``Wir nehmen das ganze Verhalten Newton's in dieser Sache als ein neues Zeichen für die durchaus subjective Natur dieses Mannes, der durch die völlige Versenkung in die eigenen Ideen und die fast übermenschliche Arbeit für dieselben die Fähigkeit verloren hatte, fremde Ideen in ihrer Entwickelung richtig zu verstehen und fremdes Verdienst neben seinem eigenen richtig zu würdigen.'' Mit dieser kleinen Probe des vom Verf. Gebotenen müssen wir uns begnügen. Wenn der Natur der Sache gemäss die Sprache meistens in nüchternem Berichtstone dahinfliesst, indem die sich entgegenstehenden Meinungen sorgfältig erörtert werden, so erhebt sich der Stil am geeigneten Orte zu höherem Schwunge und zollt in gebührender Form der historischen Bedeutung des Helden, der Tiefe seiner Gedanken uneingeschränkte Anerkennung.
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