Grundlehren der Theaterperspective. (Q1545869)
From MaRDI portal
| This is the item page for this Wikibase entity, intended for internal use and editing purposes. Please use this page instead for the normal view: Grundlehren der Theaterperspective. |
scientific article; zbMATH DE number 2702274
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Grundlehren der Theaterperspective. |
scientific article; zbMATH DE number 2702274 |
Statements
Grundlehren der Theaterperspective. (English)
0 references
1884
0 references
Verfasser beklagt es, dass sich die Theatermaler in der Regel mit einer gewissen, durch praktische Erfahrung unterstützten Gefühlsperspective begnügen, die sie nur zu häufig im Stiche lässt. Denn die Theorie der scenischen Decorationen beruht nicht auf der einfachen malerischen Perspective, sondern auf einer Combination dieser mit der Reliefperspective. Freilich kann es sich hier nicht um eine Theorie handeln, welche eine auf alle Fälle in gleicher Weise anwendbare Constructionsschablone lieferte. Denn die unerbittlichen scenisch-technischen Anforderungen, die Rücksicht auf Einfachheit der Herstellung und Leichtigkeit der Aufstellung einer Scenerie, die Bedingung, dass dieselbe nicht bloss von einem hevorzugten Punkte aus, sondern für sämtliche, (auch seitliche) Plätze einen günstigen Eindruck machen soll, die unvermeidlichen Widersprüche, in welche die in die Scenerie eingestellten natürlichen Möbelstücke oder die in verschiedenen Tiefen stehenden, einer perspectivischen Verjüngung nicht unterworfenen handelnden Personen mit der perspectivischen Gesamtanordnung der Scenerie treten, all das und noch manches andere tritt einer consequenten Anwendung der strengen Theorie entgegen. Es bleibt nichts übrig, als ``auf Grund der perspectivischen Beziehungen einen möglichst allseitig wohlgefälligen Compromiss zu haben, die Perspective muss von der ihr innewohnenden Gesetzesstrenge vieles abgeben, und ihre Einheitlichkeit opfern.'' Man wird vor allem für die verschiedenen Partien der Scenerie (Fussboden, Decke, Seitenwände) verschiedene Augpunkte benutzen und in der Perspective der zur Vorhangebene parallelen Decorationsstücke (Hinterwand, Ausschnittprospecte) gewisse ausgleichende Freiheiten walten lassen. Die Art und Weise, wie ein solcher, den Bereich günstiger Sitzplätze wesentlich erweiternder, rationeller Ausgleich in praktischen Fällen anzuordnen ist, erläutert Verfasser an drei charakteristischen Beispielen: das Innere eines Zimmers (Benutzung von vier Augpunkten), Vorhalle mit Prospect (zwei Augpunkte), diagonal stehender Saal (teils für einen Augpunkt, teils willkürlich). Die Beispiele sind recht instructiv und gewinnen noch mehr an Interesse dadurch, dass die Abbildungen von drei ausgeführten Decorationsmodellen analoger Vorwürfe von dem Münchener Hoftheatermaler A. Quaglio beigegeben sind, welche, von diesem nach freiem Ermessen construirt, zeigen, ``wie sehr die künstlerische Praxis hervorragender Meister sich der schmiegsamen Theorie genähert hat''.
0 references