Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. 2. Aufl (Q1896039)
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scientific article; zbMATH DE number 786892
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. 2. Aufl |
scientific article; zbMATH DE number 786892 |
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Die Mühle des Hamlet. Ein Essay über Mythos und das Gerüst der Zeit. 2. Aufl (English)
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16 August 1995
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Obwohl dieses Buch in der Reihe ``Computerkultur'' erschienen ist, kann man es weder als Buch über Mathematik noch über Informatik bezeichnen -- allenfalls als Geschichte der Astronomie; natürlich wird in all diesen Disziplinen gerechnet, berechnet, etc. Am besten ist es zu charakterisieren als ``Anti-Däneken'': Unsere Vorfahren waren gar nicht so dumm, sie konnten ihre ``übernatürlichen'' Leistungen auch ohne ``Außerirdische'' bewältigen. Dabei half ihnen eine hochentwickelte Kunst der Sternbeobachtung. Dieses Wissen wurde mündlich weitergegeben -- bei einigen Neger-Stämmen noch heute -- und gehört zum ``Urwissen'' der gesamten Menschheit. Dabei stellen die Mythen eine Himmelsbeschreibung dar, in die sich etwa Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn zwanglos einfügen -- insbesondere die Rückläufigkeit der Planeten findet ihre Widerspiegelung in manchen Göttergeschichten. In dieser Hinsicht ist die Bibel das ``unwissenschaftlichste'' Buch. Aber gerade in der Samson-Geschichte können die Verff. Unklarheiten (die in einigen ``Altes Testament''-Ausgaben schlicht weggelassen werden) erhellen, indem sie den Bezug zu altorientalischen Sternbildern herstellen. Wenn Verff. die Schiefe der Ekliptik zum Himmelsäquator als Ursache des Yin-Yang-Prinzips und die Häutung des Marsyas durch Apoll äquivalent zu den Menschenopfern der Azteken (Mayas?) -- die bekanntlich große Astronomen waren, sehen (letzteres als Frühlingsopfer mit Tod und Auferstehung des Osiris verglichen), ist doch etwas Zweifel an der Stringenz der Thesen angebracht. Das Buch ist äußerst materialreich und daher am ehesten eine Kulturgeschichte: seitenlange Zitate aus dem Kalevala, dem Rigveda, und natürlich aus der ``Geschichte Dänemarks'' des Saxo Grammaticus, der ``Urfassung'' des ``Hamlet'', stehen nebeneinander. Persische, afrikanische, hawaianische Quellen fließen zusammen. Die vorliegende deutsche Fassung (das amerikanische Original erschien unter dem Titel ``Hamlet's mill. An essay on myth and the frame of time'' 1969 bei Gambit, Boston) versucht hier vorbildlich, die schon ins Englische transformierten Originalzitate in guten deutschen Übersetzungen wiederzugeben (Rückert, Humboldt, Schimmel), und ist daher ein philologisches Kunststück für sich. Nun zum Titel des Buchs: Saxo Grammaticus hat seine Fassung des Hamlet- Stoffs einer altisländischen Saga entnommen, in der der Held Amlodhi mit dem Riesen Frodi um die gewaltige Mühle Grotti kämpft, die nur Riesinnen mahlen können. Die Mühle wird auf ein Schiff geladen, das wie zu erwarten unter den Flüchen der Riesinnen untergeht. Aus dem Strudel der versinkenden Mühle wird dann der Mahlstrom, und dieser große Wirbel erinnert natürlich an Chaos und Katastrophen, nicht zuletzt an Vishus Quirlung (Butterung) des Milchmeers, aus dem die Welt nach indischer Überlieferung entstand. Die ``Götterdämmerung'' stimmt mit der indischen Vorstellung überein, daß unser Zeitalter auf 25.000 Jahre begrenzt ist (ein platonisches Jahr? -- ein Umlauf des Frühlingspunkts auf der Ekliptik). Verff. weisen zu Recht darauf hin, daß etwa Newton und Kepler durchaus in ``mittelalterlichen'' -- oder heute besser: ``ganzheitlichen'' Vorstellungen befangen waren. Die Gravitationstheorie wurde von Newton in ein Anagramm gefaßt, -- und dieses wurde verstanden! Fazit: Für Mathematiker mit kulturgeschichtlichen Interessen und etwas astronomischem Hintergrund anregend (eventuell auch zum Widerspruch) zu lesen.
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