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Über den Gehalt von Wahrscheinlichkeitsaussagen. - MaRDI portal

Über den Gehalt von Wahrscheinlichkeitsaussagen. (Q2611359)

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Über den Gehalt von Wahrscheinlichkeitsaussagen.
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    Über den Gehalt von Wahrscheinlichkeitsaussagen. (English)
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    1935
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    Verf. gibt zunächst einen Bericht über die verschiedenen Versuche, die unternommen wurden, um zu einer Klärung des Wahrscheinlichkeitsbegriffes zu gelangen. In erster Linie handelt es sich dabei um die beiden Hauptvertreter der heute allgemein akzeptierten statistischen Wahrscheinlichkeitstheorie, \textit{v. Mises} und \textit{Reichenbach}. Die statistische Theorie definiert die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses innerhalb einer Reihe gleichartiger Ereignisse als den Limes der relativen Häufigkeit, mit der das Ereignis in dieser Reihe auftritt. Eine Wahrscheinlichkeitsaussage stellt demnach eine Aussage über eine unendliche Gesamtheit von Beobachtungsdaten dar und ist daher im Gegensatz zu einer Hypothese nicht nur nicht endgültig verifizierbar, sondern hat sogar, streng genommen, nicht eine einzige empirisch prüfbare Konsequenz. Die Rettung vor dem drohenden \textit{Occam}schen Rasiermesser versucht \textit{Reichenbach} hier durch seine Theorie der Setzung und einen Übergang von der klassischen zu einer Wahrscheinlichkeitslogik zu bringen. In seiner Kritik der \textit{Reichenbach}schen Theorie macht Verf. u. a. geltend, daß die Wahrscheinlichkeitsrechnung praktisch stets auf endliche Ereignisfolgen angewandt wird, sogar auf solche, die nicht einmal im Prinzip beliebig verlängerbar sind (Sozial-, Gasstatistik). Er schlägt daher eine \textit{finitistische Deutung} der Formeln des Wahrscheinlichkeitskalküls vor. Bei \textit{Reichenbach} besteht dieser Kalkül aus analytischen Formeln (und die ganze Schwierigkeit besteht darin, für eine gegebene unendliche Ereignisfolge ausfindig zu machen, ob sie die Axiome dieses Kalküls erfüllt); beim Verf. dagegen wird die Wahrscheinlichkeitsrechnung zu einer Realwissenschaft, und ihre Aussagen werden zu Hypothesen, die mit anderen realwissenschaftlichen Hypothesen im Prinzip gleichartig sind. Die Tendenz der Arbeit ist höchst begrüßenswert; und obwohl auch die finitistische Deutung auf gewisse logische Schwierigkeiten führt, die durch die vorliegende Untersuchung noch nicht restlos aus dem Wege geräumt sind, so wird doch die Problemlage geklärt und die Richtung zu einer befriedigenden Auflösung gewiesen.
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