Zur Keimesgeschichte der Leibnizschen Differentialrechnung. (Q2624045)
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scientific article
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Zur Keimesgeschichte der Leibnizschen Differentialrechnung. |
scientific article |
Statements
Zur Keimesgeschichte der Leibnizschen Differentialrechnung. (English)
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1933
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Mit meisterlicher Hand entwirrt Verf. den Knäuel von Mißverständnissen, Empfindlichkeiten, Voreingenommenheiten und voreiligen Schlüssen, der den wahren Sach- verhalt im großen Prioritätsstreit zwischen \textit{Newton} und \textit{Leibniz} so unübersichtlich macht, unter Rückgang auf die Originale und bisher unveröffentlichte Handschriften \textit{Leibniz}ens. Doch bleibt es nicht bei der rein dokumentarischen Feststellung des Sachverhaltes, sondern darüber hinaus wird ein wertvoller Beitrag zur allgemeinen Psychologie der mathematischen Erfindung überhaupt gegeben. Im einzelnen ist es zwar so, daß \textit{James Gregory} und \textit{Isaac Newton} für sich bezüglich der ``\textit{Leibniz}reihe'' und infinitesimaler Betrachtungen die Priorität beanspruchen können, daß aber \textit{Leibniz} nicht bloß unabhängig von ihnen zu seinen Ergebnissen kam, sondern mit seiner Differentialrechnung in klarer Erkenntnis des hohen Wertes einer mathematischen Zeichenschrift, die sogar einem \textit{Newton} fehlte, bewußt einen neuen Caiculus schuf. Der von den Engländern erhobene und dann mehrere Male stark verschärfte Vorwurf, \textit{Leibniz} habe an \textit{Gregory}s und \textit{Newton}s Schriften Plagiat verübt, ist völlig unbegründet. Das Commercium epistolicum (London 1712 = Januar 1713, 2. verm. Aufl. 1722, 3. Aufl. 1725, ed. \textit{J. B. Biot-F. Lefort}, Paris 1856), das die Grundlage für den Standpunkt der Engländer abgeben soll, ist mit außerordentlicher Leichtfertigkeit verfaßt, geht nicht auf die (auch damals zugänglichen) Originale zurück, sondern nur auf den Abdruck gelegentlich veränderter und verkürzter Abschriften bei \textit{J. Wallis} (opera III, Oxford 1699), benutzt nicht einmal dessen Druckfehlerberichtigungen richtig usw. Insbesondere wird einwandfrei dargetan, daß \textit{Leibniz} die beiden entscheidenden englischen Briefsendungen vom Herbst 1676 und Sommer 1677 sofort beantwortet und daß er nicht etwa, wie man lange geglaubt hat, den großen Brief \textit{Newton}s vom 24. 10. 1676 alten Stils schon in London eingesehen hat, und zwar deshalb nicht, weil er London bereits am 19. 10. verließ. Doch darf den Engländern nicht mehr als grobe Flüchtigkeit vorgeworfen werden; insbesondere haben wir keinen Grund zu der Annahme, es handle sich bei ihnen um bewußte Täuschungsversuche.
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