Der physikalische Wahrheitsbegriff. (Q571249)
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scientific article; zbMATH DE number 2555109
| Language | Label | Description | Also known as |
|---|---|---|---|
| English | Der physikalische Wahrheitsbegriff. |
scientific article; zbMATH DE number 2555109 |
Statements
Der physikalische Wahrheitsbegriff. (English)
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1931
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Eine erkenntnistheoretische Analyse des physikalischen Wahrheitsbegriffs führt den Verf. zunächst zur Ablehnung auch der neueren Definitionen dieses Begriffs. Betrachte man etwa die Fassung von \textit{Heinrich Hertz}, in der ``die denknotwendigen Folgen der Bilder'' wieder die Bilder sein sollen ``von den naturnotwendigen Folgen der abgebildeten Gegenstände'', so sei erstens die darin vorgenommene Koppelung des Wahrheitsbegriffs mit dem Determinismus höchst bedenklich ; zweitens gebe diese Definition kein Mittel an, wie man vor der Beobachtung des betreffenden Sachverhalts entscheiden kann, ob ein Satz wahr oder falsch ist. Der Wissenschaftler will aber gerade vor der Beobachtung etwas über die Wahrheit eines Satzes wissen. Und drittens seien die allgemeinen Sätze nach dieser Definition überhaupt nie als wahr oder falsch entscheidbar, da sie ja Behauptungen über eine unendliche Gesamtheit von Fällen aussprechen. -- Verf. zeigt, daß alle diese Schwierigkeiten dadurch entstehen, daß die Sätze der Physik \textit{Prophezeiungssätze} sind, und daß das Wahrheitsproblem also das Problem der Wahrheit der Prophezeiungssätze sei. Gelegentlich habe man diese Frage dadurch lösen wollen, daß man sagte: Die Prophezeiungssätze sind ``an sich'' wahr oder falsch; nur unser Wissen darum ist unvollkommen. Solange hier aber kein Hinweis gegeben werde, wie sich denn das menschliche Wissen dieser idealen Wahrheit nähern könne, sei ein solcher Wahrheitsbegriff vollständig leer. Verf. vertritt demgegenüber die These, daß der Wahrheitsbegriff gerade vom Annäherungsbegriff her erfaßt werden müsse. Eine dem Denken der Physiker gerecht werdende Erkenntnistheorie müsse dem \textit{Wahrscheinlichkeitsbegriff} eine dem Wahrheitsbegriff gegenüber primäre Stellung zuweisen. Die Wahrheit werde dann als Grenzfall der Wahrscheinlichkeit zu definieren sein. -- Verf. betont hier, wie schon in früheren Arbeiten, daß die ``philosophische'' Wahrscheinlichkeit physikalischer Aussagen keineswegs, wie gelegentlich eingewendet werde, eine andere sei als die ``mathematische'' Wahrscheinlichkeit statistischer Aussagen. Daß diese Meinung entstehen konnte, und daß man überhaupt erst so spät den Wahrscheinlichkeitscharakter der physikalischen Sätze erkannt hat, beruht nach Verf. darauf, daß der Physiker es im allgemeinen mit Sätzen von sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu tun hat, die praktisch als Gewißheit behandelt werden kann. Sowie das nicht der Fall sei und die unbequeme Wahrscheinlichkeit zutage trete, bemühe sich der Physiker, zu Sätzen mit größerer Wahrscheinlichkeit überzugehen. Ein solcher Übergang sei auf zweierlei Weise möglich: (1) durch genauere Analyse des Einzelvorgangs, d. h. Vermehrung der bestimmenden Parameter (kausale Methode); (2) durch Übergang zu großen Anzahlen (statistische Methode). Hier erkenne man, daß die Ergebnisse der Quantentheorie nicht etwa einen Verzicht auf Erkenntnis überhaupt bedeuten, sondern nur zeigen, daß der erste dieser Wege nicht beliebig weit fortgesetzt werden könne. (IV 16.)
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